Ein dritter Oscar für Gerd Nefzer
Vergangene Nacht durfte Gerd Nefzer erneut einen Oscar entgegennehmen – bereits sein dritter. Der 59-jährige Schwabe ist eine Koryphäe in der Welt der Spezialeffekte und wurde für seine Arbeit an “Dune: Part Two” ausgezeichnet. Dabei begann seine Karriere in einer ganz anderen Branche: der Landwirtschaft.
Bescheidenheit trotz dreier Oscars
Nefzer ist mittlerweile eine feste Größe in Hollywoods Filmindustrie. Seinen ersten Oscar gewann er für “Blade Runner 2049”, gefolgt von einer weiteren Auszeichnung für “Dune” im Jahr 2022. Trotz des Erfolgs ist er bodenständig geblieben. “Wenn man seinen Namen bei der Oscarverleihung hört, denkt man erst einmal daran, ob der Smoking sitzt und die Fliege nicht verdreht ist. Aber natürlich ist es ein unglaubliches Glücksgefühl”, so Nefzer gegenüber dem BR.
Doch hinter jedem Erfolg steckt harte Arbeit. Seit über 30 Jahren arbeitet er in der Filmbranche und war unter anderem für Spezialeffekte in “Inglourious Basterds”, “Die Päpstin”, “Die Tribute von Panem” und “Krabat” verantwortlich. Selbst mit Hollywood-Legende Steven Spielberg hat er bereits zusammengearbeitet. Oft weiß er anfangs nicht einmal, worum es in den Filmen geht – die strengen Geheimhaltungsregeln der Traumfabrik lassen ihm keine andere Wahl. Erst nach Vertragsunterzeichnung erfährt er, welche Effekte gefragt sind.
Vom Bauernhof nach Hollywood
Gerd Nefzers Karriereweg war ungewöhnlich. Ursprünglich erlernte er den Beruf des Landwirts und arbeitete auf einem Ackerbau- und Schweinemastbetrieb in Heilbronn sowie auf einem Milchviehbetrieb in seiner Heimat. Zum Film kam er eher zufällig über seinen Schwiegervater, der eine Firma führte, die Requisiten und Fahrzeuge an Filmproduktionen verlieh. Was als Aushilfsjob begann, wurde zur lebenslangen Karriere.
Seine landwirtschaftliche Ausbildung erwies sich dabei als unerwarteter Vorteil. “Als Landwirt muss man sich mit Hydraulik, Mechanik und Elektrik auskennen – und mit Rindviechern umgehen können. Das hat mir beim Film sehr geholfen”, sagt Nefzer schmunzelnd. Mittlerweile betreibt er neben seinem Hauptsitz in München auch eine Firma in Potsdam bei den Babelsberg Studios.
Spektakuläre Effekte für “Dune: Part Two”
Bei den Dreharbeiten zu “Dune” hatte Gerd Nefzer neben Flammenwerfern und Windmaschinen auch seine markanten, leistungsstarken Traktoren aus bayerischer Herstellung im Einsatz. Sie halfen, die beeindruckenden Wüstenlandschaften zum Leben zu erwecken und den ikonischen Sandwurm-Effekt zu perfektionieren. Regisseur Denis Villeneuve wollte so viele praktische Effekte wie möglich und arbeitete mit Nefzers Team sowohl an den Drehorten in Jordanien und Abu Dhabi als auch im Studio in Budapest.
Hollywood bleibt für ihn ein Job
Trotz des Erfolgs bleibt Gerd Nefzer bescheiden. Hollywood-Größen wie Timothée Chalamet, Ryan Gosling oder Harrison Ford sieht er als “nette Kollegen”. Er selbst betrachtet sich auch nach drei Oscars in erster Linie als Dienstleister. “Ich weiß, wo ich herkomme und wo ich hingehöre”, sagt der Ex-Landwirt. Und genau diese Bodenständigkeit macht ihn zu einem der gefragtesten Spezialeffekt-Experten der Branche.
