Ein lacerierender Blick auf das Leben eines UFC-Kämpfers
In seinem ersten Solo-Regieprojekt erzählt Benny Safdie die Geschichte des Mixed-Martial-Arts-Stars Mark Kerr. Das Ergebnis ist ein schonungslos ehrliches und zutiefst menschliches Sport-Biopic, das thematisch an Darren Aronofskys The Wrestler erinnert.
Mark Kerr – Die rohe Gewalt des MMA
Der Film beginnt mit körnigem, inszeniertem Videomaterial von Mark Kerrs erstem Amateurkampf. Kerr, einst ein gefeierter Ringer, zeigt hier, dass es bei MMA um knallharte Realität geht – kein Showkampf. Schon im ersten Fight wird die rohe Gewalt sichtbar: Mark attackiert seinen Gegner mit unbarmherzigen, bloßen Fäusten, bis das Gesicht des Gegners blutüberströmt ist.
Der innere Kampf: Gewalt und Faszination
Währenddessen hören wir Kerrs Stimme, die auf überraschend sanfte Weise den „Rausch“ beschreibt, den er verspürt, wenn er seinen Gegner bezwingt. Er spricht davon, wie in diesem Moment nichts anderes mehr zählt. Diese fast schon beängstigende Faszination an Gewalt durchzieht den Film und macht Mark zu einer komplexen Figur, deren innere Wut sich kaum bändigen lässt.
Dwayne Johnson: Vom Actionstar zum einfühlsamen Charakterdarsteller
Mit seinem markanten Aussehen – seine weißen Zähne, die dichte Haarpracht und die muskulöse, leicht gebückte Haltung – wirkt Kerr wie eine überdimensionale Sportikone. Doch was Dwayne Johnson in dieser Rolle zeigt, geht weit über ein stereotypisches Bild hinaus.
Die stille Zerrissenheit Marks
Johnson spielt Mark als „sanften Riesen“, dessen innere Dämonen zwar nie explizit benannt werden, aber jederzeit spürbar sind. Er verbindet den professionellen Kämpfer mit einem verletzlichen Menschen, der mit seinen Dämonen ringt. Diese stille, geheimnisvolle Seite macht seine Darstellung zu einer wahren Offenbarung.
Benny Safdie findet seine eigene filmische Stimme
Benny Safdie ist bisher vor allem als Co-Regisseur mit seinem Bruder Josh bekannt – etwa für das intensive Drama Uncut Gems. Mit The Smashing Machine zeigt er, dass er auch allein eine klare Handschrift hat.
Ein Film zwischen Dokumentation und Drama
Der Film ist weniger ein aufrührendes Sportdrama als ein intimer Einblick in das Leben eines Mannes zwischen Ruhm, Schmerz und Selbstzerstörung. Safdie orientiert sich am HBO-Dokumentarfilm von 2002 gleichen Namens und schafft daraus ein Drama, das wie eine Mischung aus The Wrestler und Raging Bull wirkt.
Das Leben abseits des Rings: Beziehungskämpfe und alltägliche Dramen
Nach dem brutalen Auftakt lernen wir Mark in seiner Beziehung mit Dawn kennen, gespielt von Emily Blunt. Sie leben in Phoenix in einem einfachen Haus mit großer Sicherheitstür – ein Sinnbild für Marks Bedürfnis nach Kontrolle und Abschottung.
Kleine Konflikte mit großer Bedeutung
Schon das Drama um das richtige Verhältnis von Milch und Bananen im Frühstücks-Smoothie zeigt, wie sehr Mark alles durchplant. Die Beziehung der beiden ist geprägt von Liebe, aber auch von ständigen Konflikten und Machtkämpfen.
Emily Blunt als komplexe Partnerin
Blunt gibt ihrer Rolle eine bittersüße Mischung aus Trotz, Verletzlichkeit und Authentizität, die Dawn zu einer faszinierenden und realistischen Figur macht.
Der dunkle Schatten der Sucht
Ein zentrales Thema des Films ist Marks Kampf gegen seine Opioid-Abhängigkeit. Zwar nehmen wir anfangs an, dass die Schmerzmittel nur der Bewältigung der körperlichen Qualen dienen, doch die Sucht zeigt schnell ihre zerstörerische Kraft.
Krankenhausaufenthalt und Freundschaft
Als Mark nach einer Überdosis im Krankenhaus liegt, zeigt der Besuch seines Freundes und Trainers Mark Coleman (Ryan Bader) die menschliche Seite dieses harten Umfelds und die Bedeutung von Unterstützung.
Training, Rivalität und der Weg zum Pride-Turnier
Ein besonderer Höhepunkt ist die Trainingssequenz mit MMA-Legende Bas Rutten, der sich selbst spielt. Mit Elvis Presleys „My Way“ unterlegt, wirkt die Szene humorvoll und inspirierend zugleich.
Das große Turnier in Tokio
Im Pride Fighting Championship Turnier 2000 kämpfen Mark und sein Freund Mark Coleman um den Preis von 200.000 Dollar. Hier zeigt sich, dass der Film nicht auf einfache Triumphe setzt, sondern auf die innere Entwicklung seiner Figuren.
Fazit: Ein vielschichtiges Drama über Menschlichkeit und Gewalt
The Smashing Machine ist kein klassisches Sport-Biopic, sondern eine intensive Studie über Gewalt, Sucht, Liebe und Selbstbeherrschung. Dwayne Johnson brilliert in einer ungewohnten, tiefgründigen Rolle, und Benny Safdie beweist sein Talent für einfühlsames, erzählerisches Kino.
Der Film berührt, weil er einen Mann zeigt, der zwischen dem Kämpfen im Ring und den Kämpfen mit sich selbst steht. Am Ende hat Mark Kerr mehr gewonnen, als es ein Preisgeld oder eine Medaille je könnte: Er hat den Menschen unter der Maschine gefunden.
