Trotz hoher Einkünfte in der Türkei: Adil P. steht wegen gewerbsmäßigen Betrugs vor Gericht
Stuttgart – Ein Fall von dreistem Sozialbetrug sorgt aktuell für bundesweites Aufsehen: Der türkische Fernsehmoderator Adil P. (59) hat über zwei Jahrzehnte hinweg deutsche Sozialleistungen bezogen, obwohl er gleichzeitig in der Türkei erfolgreich als TV-Moderator arbeitete – mit einem mutmaßlichen Jahresumsatz in sechsstelliger Höhe.
Der Angeklagte: Ein Moderator mit Doppelleben
Adil P., in Stuttgart wohnhaft, trat im türkischen Fernsehsender Eurostar TV regelmäßig als Moderator auf und präsentierte verschiedene Werbesendungen. Gleichzeitig gab er in Deutschland gegenüber dem Jobcenter Stuttgart-Süd an, er sei aufgrund von psychischen Erkrankungen erwerbsunfähig und damit auf staatliche Unterstützung angewiesen.
Seine Sendungen liefen teilweise live im türkischen Fernsehen und auf YouTube – öffentlich und leicht einsehbar. Dennoch blieb sein doppeltes Spiel lange unentdeckt.
Die Masche: Depressionen vorgetäuscht, Einnahmen verschleiert
Laut Anklage hatte Adil P. systematisch und über Jahre hinweg seine tatsächlichen Einkommensverhältnisse verschleiert. Während er dem Jobcenter schwere Depressionen und Arbeitsunfähigkeit vortäuschte, verdiente er in der Türkei schätzungsweise bis zu 500.000 € jährlich.
Das Geld floss jedoch nicht offen auf sein deutsches Konto, sondern gelangte über Western Union, teilweise über Dritte und über seine Tochter nach Deutschland oder wurde direkt in der Türkei verwendet. Zusätzlich nutzte er laut Ermittlungen gefälschte Rechnungen mit einer erfundenen Adresse in Istanbul und beschäftigte offenbar auch Kameraleute schwarz, um keine offiziellen Spuren zu hinterlassen.
Die Summe: 270.000 € zu Unrecht kassiert
Insgesamt sollen dem Angeklagten rund 270.000 € an Sozialleistungen zu Unrecht ausgezahlt worden sein. Aufgrund der gesetzlichen Verjährungsfristen konnte die Staatsanwaltschaft allerdings nur 80.000 € juristisch verfolgen.
Diese Beträge summierten sich durch fortlaufende Leistungen über 22 Jahre, darunter Hartz IV (heute Bürgergeld), Mietzuschüsse und Krankenversicherung.
Die Rolle der Tochter: Konto mit 260.000 € belastet
Ein besonders brisanter Aspekt des Falls: Zwischen 2019 und 2025 wurden rund 260.000 € auf das Konto seiner Tochter überwiesen. Sie gab vor Gericht an, auf Wunsch des Vaters gehandelt zu haben, jedoch nichts über dessen betrügerische Aktivitäten gewusst zu haben. Das Gericht glaubte ihr – sie wurde freigesprochen.
U-Haft und weitere Dreistigkeit: Auch dort Antrag auf Sozialgeld
Selbst während seiner Untersuchungshaft versuchte Adil P., weiterhin Geld vom Staat zu erhalten. Er stellte einen Antrag auf 152 € monatliches Taschengeld – ein weiteres Beispiel für die Dreistigkeit, mit der der Angeklagte vorging.
Geständnis und Urteil: Keine Haft, sondern Bewährung
Im Verlauf der Gerichtsverhandlung legte Adil P. ein umfassendes Geständnis ab und zeigte sich reuig. Er räumte die Taten vollständig ein und entschuldigte sich bei den deutschen Behörden.
Das Urteil: Der Angeklagte wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Eine tatsächliche Freiheitsstrafe muss er nicht antreten. Angesichts des Ausmaßes des Betrugs und der Dauer des Fehlverhaltens sorgt dieses Urteil für breite Diskussionen in Medien und Öffentlichkeit.
Reaktionen: „Mini-Strafe“ und mögliche Nachahmer?
In Kommentaren, etwa in der „BILD“, wurde das Urteil als zu milde kritisiert. Die Zeitung sprach von einer „Mini-Strafe“ und äußerte die Sorge, das Urteil könnte Nachahmer ermutigen. Auch in sozialen Medien wurde das Urteil hitzig diskutiert – viele forderten strengere Konsequenzen.
Juristisch betrachtet, wurde jedoch betont, dass nur der nicht-verjährte Teil der Beträge angeklagt und damit auch nur dieser bestraft werden konnte. Zudem spielte das Geständnis eine entscheidende Rolle im Strafmaß.
Fazit: Ein aufgedeckter Skandal – mit Folgen?
Der Fall Adil P. zeigt auf drastische Weise, wie missbrauchsanfällig das Sozialsystem sein kann, wenn Kontrollmechanismen versagen. Trotz seiner öffentlichen Auftritte als Moderator konnte der Angeklagte jahrelang unentdeckt Leistungen beziehen, die ihm nicht zustanden.
Ob der Fall politische oder strukturelle Konsequenzen haben wird, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Der Schaden für das Vertrauen in das System ist erheblich – ebenso wie der finanzielle Verlust für die Allgemeinheit.
