Eine überraschend gute Diskussion
Die von ARD und ZDF ausgerichtete “Schlussrunde” der Spitzenkandidaten war überraschend lebendig und vielseitig. In 90 Minuten wurden drei große Themen behandelt: Frieden in Europa, Reformen im Gesundheitssystem und die Interessen junger Wähler. Besonders das letzte Thema driftete schnell in Diskussionen über Wehrpflicht und Klimapolitik ab.
Fairer Umgang, aber mit Spitzen
Insgesamt war es eine bemerkenswert disziplinierte Debatte. Die Moderatoren Diana Zimmermann und Markus Preiß leiteten souverän durch die Sendung und gaben allen acht Politikern ausreichend Redezeit. Trotzdem gab es einige hitzige Wortgefechte. Grünen-Politikerin Annalena Baerbock wurde mehrfach von den männlichen Kollegen unterbrochen, was sie am Ende als unterschwelligen Sexismus kritisierte. Überraschend sprang ihr ausgerechnet Alice Weidel (AfD) zur Seite.
Scharfe Gegensätze bei der Ukraine-Frage
Beim Thema Ukraine-Krieg wurde es besonders kontrovers. Linke, BSW und AfD lehnen Waffenlieferungen und eine Erhöhung der Rüstungsausgaben ab, während SPD, CDU, FDP und Grüne sich klar für eine Fortsetzung der “Zeitenwende”-Politik aussprachen. Eine Frage ließ jedoch fast alle verstummen: Sollten deutsche Soldaten in eine Friedenstruppe entsandt werden? Nur Annalena Baerbock äußerte sich dazu offen.
Politische Machtspiele und Inszenierung
Christian Lindner (FDP) versuchte sich als staatsmännischer Erklärer und setzte auf vertrauliches Duzen mit seinen Mitdiskutanten – ein subtiler Machtschachzug, um Regierungsnähe zu signalisieren. Alice Weidel zeigte sich gewohnt selbstbewusst, verlor aber einmal die Geduld, als sie CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann ermahnte: “Sie können auch ganz normal mit mir sprechen.”
Gesundheitssystem als seltene Einigkeit
Überraschenderweise war das zweite große Thema – das Gesundheitssystem – der sachlichste Teil des Abends. Alle Parteien waren sich einig, dass Bürokratieabbau und Fachkräftemangel zentrale Herausforderungen sind. Die Linke und das BSW kritisierten die Privatisierung der Krankenhäuser, während FDP und CDU eher für mehr Eigenverantwortung plädierten. Selbst ein AfD-Vorschlag zur Entlastung pflegender Angehöriger wurde nicht grundsätzlich abgelehnt.
Die Linke punktet mit Kapitalismuskritik
Während die AfD in der Runde weniger aggressiv angegriffen wurde als sonst, gewann die Linke mit ihrer kapitalismuskritischen Agenda an Profil. Ihr Vorschlag: Die Vermögen der Milliardäre höher besteuern, um Bildung und Pflege zu finanzieren. Ob das in der Praxis funktioniert, sei dahingestellt – doch es klang zumindest einleuchtend.
Fazit: Überraschend stark, mit Weidels Fehltritt
Die Diskussion war insgesamt sachlicher als erwartet. Allerdings sorgte Alice Weidel für einen heftigen Moment, als sie die deutsche Heeresführung attackierte und deren fehlende Kriegserfahrung kritisierte – eine Aussage, die für Kopfschütteln sorgte.
