Ein Leben für das deutsche Fernsehen – Abschied von einem Pionier
Frankfurt am Main – Der bekannte Moderator, Journalist und Fernsehvisionär Rainer Holbe ist im Alter von 85 Jahren verstorben. Am 15. August 2025 starb er in seinem Zuhause in Frankfurt am Main im Kreise seiner Familie. Mit seinem Tod verliert Deutschland eine der wichtigsten Persönlichkeiten der Fernsehgeschichte.
Kindheit und Karrierebeginn
Die frühen Jahre
Geboren 1940, wuchs Rainer Holbe in einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs auf. Schon früh interessierte er sich für Sprache, Medien und Kommunikation – Interessen, die später seine Karriere prägen sollten.
Einstieg ins Fernsehen
Seine journalistische Laufbahn begann er zunächst beim Radio, bevor er beim ZDF als Moderator Fuß fasste. Mit seiner klaren Stimme, seinem ruhigen Auftreten und einem feinen Gespür für sein Publikum entwickelte sich Holbe schnell zu einer beliebten Fernsehpersönlichkeit.
Der große Durchbruch mit der „Starparade“
Eine Show erobert die Nation
Holbes erster großer Erfolg kam mit der ZDF-Sendung „Starparade“, die ab 1968 ausgestrahlt wurde. Über 12 Jahre lang moderierte er die Show, die zu einem der populärsten Musikformate des deutschen Fernsehens wurde.
Stars von Weltklasse zu Gast
In der „Starparade“ traten internationale Größen wie Frank Sinatra, Neil Diamond, Udo Jürgens und viele weitere auf. Die Show verband Musik, Tanz und Interviews und wurde durch Holbes charmante Moderation zum Quotengaranten.
Wechsel in eine neue Fernsehwelt
RTL: Vom öffentlich-rechtlichen Sender zum Privatfernsehen
In den 1980er-Jahren entschied sich Holbe für einen mutigen Schritt: Er verließ das ZDF und wechselte zum Privatsender RTL, der sich gerade im Aufbau befand. Dort wurde er zu einem der wichtigsten Programmmacher der Anfangsjahre.
Frühstücksfernsehen – ein Novum in Deutschland
Holbe half aktiv mit, Formate wie das Frühstücksfernsehen in Deutschland zu etablieren – ein Konzept, das zuvor vor allem aus den USA bekannt war. Damit prägte er erneut das deutsche Fernsehbild nachhaltig.
Faszination für das Unerklärliche
Neue Themen, neue Zielgruppen
In den 1990er-Jahren verlagerte Holbe seinen Fokus auf das Mystische, Übernatürliche und Unerklärliche. Mit Formaten wie „Unglaubliche Geschichten“ (RTL) und später „Phantastische Phänomene“ (Sat.1) traf er den Nerv eines neugierigen Publikums.
Zwischen Wissenschaft und Spirituellem
Holbe verstand es, ungewöhnliche Phänomene spannend, aber respektvoll zu präsentieren. Er war weder sensationslüstern noch esoterisch – vielmehr lud er Zuschauer zum Nachdenken und Staunen ein.
Zeitzeuge großer Geschichte
Live beim Fall der Berliner Mauer
Ein historischer Höhepunkt seiner Karriere war der 9. November 1989, als Holbe live vom Mauerfall berichtete. Er begleitete eines der bedeutendsten Ereignisse der deutschen Geschichte mit journalistischer Professionalität und Feingefühl.
Kritischer Journalismus: „Die Woche“
Eine Talkshow mit Tiefe
Mit der RTL-Talkshow „Die Woche“ bewies Holbe, dass er mehr konnte als Unterhaltung. In der Sendung wurden aktuelle gesellschaftliche und politische Themen diskutiert – stets auf hohem Niveau.
Ausgezeichnet mit dem Grimme-Preis
Für seine Leistung in „Die Woche“ wurde Holbe mit dem renommierten Grimme-Preis geehrt – eine Anerkennung für seine journalistische Qualität und redaktionelle Verantwortung.
Rückzug ins Private
Leben in Frankfurt am Main
Nach dem Ende seiner aktiven Fernsehkarriere zog sich Holbe weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Er lebte mit seiner Familie in Frankfurt, schrieb Bücher und engagierte sich gelegentlich in medialen Projekten.
Bescheiden bis zum Schluss
Holbe verzichtete stets auf Skandale, mediale Selbstdarstellung oder öffentliche Inszenierung. Auch sein Tod wurde, ganz in seinem Sinne, im engsten Familienkreis begangen.
Nachruf auf eine deutsche Fernsehikone
Ein Pionier, der Spuren hinterlässt
Rainer Holbe hat das deutsche Fernsehen über Jahrzehnte geprägt – als Moderator, Programmmacher, Journalist und Erzähler außergewöhnlicher Geschichten. Sein Wirken reicht vom öffentlich-rechtlichen Showgeschäft bis zu privaten Talk- und Mystery-Formaten.
Einfluss auf Generationen von Zuschauern
Holbe war ein Mann mit Haltung, Würde und Gespür für die Menschen. Er wusste, wann es galt zu unterhalten, und wann man Haltung zeigen musste – eine Eigenschaft, die ihm über Jahrzehnte große Wertschätzung einbrachte.
Abschied in Dankbarkeit
Ein Leben im Dienst der Medien
Mit dem Tod von Rainer Holbe geht eine Ära zu Ende. Doch sein Einfluss lebt weiter – in den Erinnerungen seiner Zuschauer, in den Archiven der Fernsehanstalten und im Selbstverständnis vieler Moderatoren, die ihm folgten.
Ruhe in Frieden, Rainer Holbe.
Du bleibst unvergessen.
