Lillys Verschwinden – Ein ZDF-Krimi mit Parallelen zum Fall Maddie McCann

Ein Urlaub, der zum Albtraum wird

In dem ZDF-Zweiteiler Lillys Verschwinden, inszeniert von Thomas Berger, geht es um eine Familie, die an einem sonnigen Urlaubsort ihre Tochter verliert. Der Thriller spielt auf einer namenlosen Mittelmeerinsel und erinnert stark an den berüchtigten Fall Madeleine McCann, auch wenn dies laut der Produktion nicht beabsichtigt war. Die Hauptrollen übernehmen Heino Ferch und Jessica Schwarz als verzweifelte Eltern, die alles daransetzen, ihre Tochter wiederzufinden.

Eine Kulisse ohne Touristen

Obwohl Mallorca für seine Touristenströme bekannt ist, zeigt der Film eine fast menschenleere Kulisse. Dies liegt daran, dass die Dreharbeiten im Herbst stattfanden. Während andere Filme, wie Bulldog, diese Saison gezielt für eine atmosphärische Dichte nutzen, bleibt Lillys Verschwinden in einer standardisierten Ästhetik verhaftet. Kameramann Hannes Hubach setzt verstärkt auf Postkartenmotive mit distanzierten Einstellungen, was der Intensität der Geschichte nicht zugutekommt.

Die dramatische Nacht des Verschwindens

Robert Bischoff (Heino Ferch), ein Arzt, verbringt den Urlaub mit seiner Frau Anna (Jessica Schwarz), seinen zwei Kindern und einer befreundeten Kollegin (Natalia Wörner). Auch ein kinderloses Paar (Petra Schmidt-Schaller und Felix Klare) gehört zur Reisegruppe. Gemeinsam genießen sie Weinabende, während die Kinder schlafen. Doch plötzlich nimmt der Urlaub eine tragische Wendung: Die kleine Lilly (Minou Troll) ist spurlos verschwunden.

Panik bricht aus. Taschenlampen durchkämmen die leeren Straßen, Rufe hallen durch die Nacht – doch das Mädchen bleibt verschwunden. Die Ermittler Antonio Gomez (Mohamed Achour) und Isabell Navarro (Mona Pirzad) übernehmen den Fall. Doch statt spanischer Schauspieler setzt das ZDF auf deutsche Darsteller, was die Authentizität schmälert.

Die Macht der Medien

Als die Journalistin Bo (Regula Grauwiller) sich in den Fall einmischt, geraten die Eltern in einen Zwiespalt. Sie rät ihnen, die Öffentlichkeit einzubeziehen, um Druck aufzubauen. Doch die Polizei warnt: Sollte Lilly tatsächlich entführt worden sein, könnte mediale Aufmerksamkeit dazu führen, dass der Täter Spuren verwischt – oder das Kind unkenntlich gemacht wird.

Unklare Erzählperspektiven

Der Film springt zwischen verschiedenen Blickwinkeln hin und her. Mal stehen die Eltern im Fokus, deren Ehekrise durch das Trauma neu entfacht wird, dann wieder die Ermittler, die nicht vorankommen. Zwischendurch tritt der eigenwillige Künstler Peter Maiwald (Andreas Lust) auf, der als möglicher Verdächtiger ins Visier gerät. Die Unentschlossenheit in der Erzählweise lässt den Film ohne klare Richtung wirken.

Ein Krimi ohne Tiefgang

Trotz der langjährigen Erfahrung von Regisseur Thomas Berger, unter anderem durch Kommissarin Lucas, gelingt es dem Film nicht, echte Spannung aufzubauen. Obwohl keine direkte Verbindung zum Fall Madeleine McCann hergestellt wird, sind die Parallelen offensichtlich. Der reale Fall der britischen Dreijährigen, die 2007 an der Algarve verschwand, bleibt bis heute ungeklärt.

Leave a Reply

Back To Top