“Cicadas” Kritik: Nina Hoss brilliert, doch der Film bleibt hinter den Erwartungen zurück

Nina Hoss und Saskia Rosendahl sind zwei der bekanntesten deutschen Schauspielerinnen und stehen in “Cicadas” gemeinsam vor der Kamera. Regie führt Ina Weisse, mit der Hoss bereits in “Das Vorspiel” (2019) zusammenarbeitete. Doch während jener Film damals begeisterte, bleibt “Cicadas” hinter den Erwartungen zurück. Die Mischung aus Familiendrama, Gesellschaftskritik und psychologischer Spannung verliert sich in ihrer eigenen Undurchsichtigkeit.

Ein Familiendrama mit vielen offenen Fragen

Im Mittelpunkt steht die 48-jährige Isabell (Nina Hoss), eine erfolgreiche Immobilienmaklerin aus Berlin. Sie versucht, sich um ihre alternden Eltern zu kümmern, während ihre Ehe mit dem egozentrischen Ingenieur Philippe (Vincent Macaigne) zerbröckelt. Gleichzeitig entwickelt sie eine ambivalente Beziehung zu Anja (Saskia Rosendahl), einer kämpfenden alleinerziehenden Mutter vom Land. Die Handlung springt zwischen diesen Elementen hin und her, lässt dabei aber viele Fragen unbeantwortet.

Starke Schauspieler, schwaches Drehbuch

Nina Hoss spielt gewohnt stark, doch selbst ihr Talent kann das unausgegorene Drehbuch nicht retten. Anja wirkt als Figur zu vage, und ihre Motivation bleibt oft unklar. Ist sie eine hilflose Mutter oder eine berechnende Manipulatorin? Gibt es zwischen ihr und Isabell eine romantische Spannung oder nur eine obsessive Faszination? Diese Fragen werden zwar angedeutet, aber nie wirklich beantwortet.

Verwirrende Erzählweise und abrupte Schnitte

Ein weiteres Problem ist der Erzählstil. Regisseurin Weisse setzt auf elliptische Erzählweise mit abrupten Schnitten und fehlenden Übergängen. Szenen beginnen und enden plötzlich, die Ortswechsel zwischen Berlin und der Provinz erfolgen ohne erkennbare Struktur. Dadurch fehlt es dem Film an erzählerischem Fluss, was die Zuschauer:innen oft ratlos zurücklässt.

Der Ehemann als Fremdkörper

Besonders irritierend ist die Darstellung von Isabells Ehemann Philippe. Sein Verhalten wirkt überzeichnet und passt nicht zum ernsten Ton des Films. Seine grotesken Auftritte – etwa wenn er mit einem frisch operierten Prostata-Leiden ins Landhaus platzt und Anja auf Englisch fragt, ob sie sich zu Isabell hingezogen fühlt – wirken wie aus einem anderen Film.

Ein enttäuschendes Ende

Der Film steuert auf ein offenes Ende zu, das mehr Verwirrung als Befriedigung hinterlässt. Viele Handlungsstränge bleiben unaufgelöst, und die anfangs aufgeworfenen psychologischen Fragen werden nicht ausreichend vertieft.

Fazit: Viel Potenzial, wenig Substanz

“Cicadas” bietet starke Schauspielleistungen und interessante Ansätze, doch die unausgereifte Handlung und die verwirrende Erzählstruktur verhindern, dass der Film wirklich überzeugt. Wer tiefgründiges Drama sucht, wird hier nur bedingt fündig.

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