Brigitte Grothum: Eine Schauspielerin, die mit 90 Jahren noch lange nicht in den Ruhestand geht

Ein Leben für die Schauspielerei

Die schaurigen Krimis von Edgar Wallace an der Seite von Klaus Kinski machten sie in den 1960er Jahren zum Filmstar. Doch vielen bleibt Brigitte Grothum vor allem als eine der drei resoluten Imbissbesitzerinnen aus der Vorabendserie Die drei Damen vom Grill in Erinnerung. 16 Jahre lang, von 1977 bis 1992, spielte sie sich mit Berliner Charme und Witz in die Herzen der Zuschauer.

Grothum sieht den Erfolg der Serie in der engen Freundschaft unter den Darstellern: “Die Drehbücher waren gut geschrieben, die Rollen perfekt besetzt, aber wir hatten vor allem viel Spaß und haben uns gegenseitig unterstützt. Das hat auch das Publikum gespürt.”

Von der Pianistin zur Schauspielerin

Geboren in Dessau, wollte Grothum eigentlich Pianistin werden. Doch ein gebrochener Finger zerstörte diesen Traum. Ihre Kindheit war von Krieg, Bombenalarm und Flucht nach West-Berlin 1950 geprägt. Dort nahm sie Schauspielunterricht und gab ihr Debüt mit 19 Jahren am Tempelhofer Zimmertheater.

Seitdem ist sie dem Theater treu geblieben und begeistert ihr Publikum mit literarischen Solo-Lesungen und anspruchsvollen Rollen. Seit fünf Jahren brilliert sie als Goebbels’ Sekretärin Brunhilde Pomsel in Ein deutsches Leben am Berliner Schlosspark-Theater – eine Rolle, die ihr nach dem Tod ihres Mannes Manfred Weigert im Jahr 2019 besonderen Halt gab.

28 Jahre Berliner “Jedermann”-Festspiele

Neben der Schauspielerei führte Grothum auch Regie. Ende der 1980er Jahre rief sie die Berliner Jedermann-Festspiele ins Leben, die 28 Jahre lang eine feste Größe im Berliner Kulturleben waren. Hochkarätig besetzt mit Stars wie Brigitte Mira, Iris Berben oder Winfried Glatzeder, wurden die Festspiele ohne staatliche Förderung realisiert. 2014 musste Grothum das Projekt aus finanziellen Gründen schweren Herzens beenden.

Ein besonders bewegendes Erlebnis war ein Gastspiel 1989 in Ost-Berlin, wenige Monate vor dem Mauerfall: “Das Publikum stand unten und weinte, wir oben auf der Bühne ebenso. Es regnete Rosen, und die Menschen riefen ‘Wiederkommen, wiederkommen!” Insgesamt sahen eine halbe Million Menschen die Berliner Jedermann-Inszenierungen.

Große Ehrungen für eine große Künstlerin

Brigitte Grothum wurde für ihr beeindruckendes Lebenswerk mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Berlin-Orden, dem Bundesverdienstkreuz am Bande und 2024 mit dem Askania Award.

Rückblickend sagt sie: “Ich hatte sehr viel Glück im Leben: eine wunderbare Ehe, gesunde Kinder und die Möglichkeit, noch immer auf der Bühne zu stehen.”

Keine Rente in Sicht: Ein Geschenk zum 90. Geburtstag

Zum 90. Geburtstag macht sie sich selbst ein Geschenk: eine Hauptrolle in der Komödie Oma Trick am Berliner Schlosspark-Theater – gemeinsam mit Dieter Hallervorden. Ruhestand? Für Brigitte Grothum kein Thema! Sie bleibt eine unermüdliche Künstlerin, die das Theater und ihre Fans liebt.

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