Der Politthriller: Spannende Ausgangslage
Der aktuelle »Tatort« aus Berlin sorgte mit seiner brisanten Thematik für Gesprächsstoff. In einer packenden und emotionalen Story wird das Thema Afghanistan und die gescheiterte Evakuierung von Kabul im Sommer 2021 thematisiert. Im Mittelpunkt steht der Elitesoldat Oberstleutnant Stephan Unge, der mit einem dramatischen Geständnis live in die Welt hinausgeht. Dabei geht es nicht nur um Rache, sondern auch um politische Verantwortung.
Der Elitesoldat und seine Beweggründe
Oberstleutnant Unge, ein ehemaliger Soldat der Kommando Spezialkräfte, hat in Afghanistan gedient und dabei 59 Kameraden verloren. Er fühlt sich von der deutschen Politik und den Verantwortlichen im Stich gelassen. In einem Livestream erklärt er: „Ich habe in Afghanistan gedient. 59 meiner Kameraden sind von dort nicht zurückgekehrt. Wofür sind sie gestorben? Für nichts!“. Der Soldat macht Politiker und Lobbyisten für die misslungene Evakuierung verantwortlich, bei der viele afghanische Helfer zurückgelassen wurden und in die Hände der Taliban fielen.
Unge rächt sich auf seine eigene Weise: Er erschießt einen Politiker und eine Lobbyistin, die er für die Tragödie verantwortlich macht, und kündigt an, „den Horror aus Afghanistan nach Deutschland zu bringen“.
Kommissar Karow: Der Held der Stunde
Im Zentrum der Ermittlungen steht Kommissar Karow, gespielt von Mark Waschke. Karow schlüpft undercover in die Rolle eines Journalisten, um den Soldaten zu stoppen. In einer brenzligen Situation riskiert Karow sein Leben, um Unge von seinem Mordplan abzuhalten. Schließlich wird der Plan des Soldaten durch Karow und seine Kollegin Bonard vereitelt, die mit Nachdruck fordern: „Hören Sie auf mit dem Wahnsinn!“ Doch das Ende des Films bleibt enttäuschend schlicht. Der Zuschauer erwartet für einen so hochdramatischen Thriller mehr.
Kritik: Ein vielversprechender Thriller mit Schwächen
Obwohl der »Tatort« ein politisch brisantes Thema aufgreift, bleibt das Ende der Geschichte eher flach. Der Film hat zwar einen spannungsgeladenen Einstieg, doch die Dialoge wirken stellenweise steif und wenig dynamisch. Besonders die Ermittler erscheinen in einigen Szenen zu formal und etwas hölzern, was angesichts der kritischen Thematik unangemessen wirkt. Die Dialoge erinnern stellenweise eher an einen Fahneneid als an echte Gespräche, was das dramatische Potenzial schmälert.
Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass der Film zwar ein wichtiges gesellschaftliches Thema anspricht, aber die Lösung und das Ende eher simpel erscheinen. Hier hätte mehr Tiefe und eine differenziertere Auseinandersetzung mit den politischen und menschlichen Aspekten der Geschichte erfolgen können.
Fazit: Ein packender Thriller mit Nachholbedarf
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der »Tatort« aus Berlin in vielerlei Hinsicht spannende Themen anspricht, aber in der Ausführung schwächen auftreten. Der Film beleuchtet die dramatischen Folgen der Evakuierung von Kabul und die Verantwortung der Politik, lässt aber einige entscheidende Fragen unbeantwortet. Der dramatische Einstieg und die brisante Ausgangslage machen ihn zwar sehenswert, doch das zu schnelle und simple Ende trübt den Gesamteindruck.
