Ein Jubiläum mit bitterem Beigeschmack
Am 20. Juni 2025 ging die 20. Staffel von Germany’s Next Topmodel (GNTM) mit einem großen Finale zu Ende. Die diesjährigen Gewinner sind Daniela (20) aus Stuttgart und Moritz (19) – ein historischer Moment, da erstmals seit der Einführung gemischter Staffeln sowohl eine Frau als auch ein Mann gekürt wurden.
Doch trotz dieses Meilensteins blieb der große Jubel aus. Das Jubiläumsfinale, auf das viele Fans gespannt gewartet hatten, entpuppte sich als überinszeniertes und langatmiges „Cringefest“, wie es Kritikerin Ulrike Nimz beschreibt.
Zwischen Waschstraße und fahrenden Betten
Die Show bot auch in dieser Staffel wieder spektakuläre Herausforderungen: Fotoshootings auf wackeligen Stahlträgern, in Autowaschanlagen und sogar auf einem fahrenden Bett. Das Konzept bleibt gleich: Wettbewerb, Tränen, Drama – verpackt in Hochglanzbildern.
Trotz allem Entertainment drang in diesem Jahr eine besondere Wahrheit durch: Pierre Lang, ein Kandidat aus Wien, sprach aus, was viele empfinden – Kandidaten wie Zuschauer gleichermaßen:
„Je länger man hier ist, desto schwächer wird man im Kopf.“
Ein Satz, der bleibt. Und der deutlich macht, wie sehr die Show an der psychischen Belastungsgrenze ihrer Teilnehmer kratzt.
Heidi Klum – Mensch oder Maschine?
Ein weiterer Aspekt, der kritisch betrachtet wird, ist die Rolle von Heidi Klum. Seit 20 Jahren ist sie das Gesicht von GNTM – eine Konstante, die zunehmend künstlich wirkt. In der Kritik steht nicht nur ihre Darstellung, sondern auch die immer gleich bleibende Maschinerie, mit der „Individualität“ als Produkt verkauft wird.
Die Show hat sich diverser gegeben – Männer dürfen teilnehmen, kurvige Models werden nicht mehr sofort aussortiert. Doch die Inszenierung bleibt dieselbe: Eine Jury bestimmt, was als schön, besonders oder talentiert gilt. Authentizität wirkt dabei oft wie ein berechneter Showeffekt.
Symptom einer kranken Industrie
In einem ergänzenden Kommentar bringt Carolin Matzko es auf den Punkt: GNTM sei nicht die Ursache, wohl aber ein Symptom einer kranken Schönheits- und Unterhaltungsindustrie. Die Sendung glorifiziere Oberflächlichkeiten, schüre Körperwahn und gaukele Diversität vor, wo doch letztlich immer die gleiche Erfolgsformel bedient werde.
GNTM sei, so der Tenor, eine Simulation – eine perfekte Illusion, die vorgibt, Menschen zu ermächtigen, sie aber gleichzeitig in stereotype Rollen drängt.
Fazit: Eine Show, die sich selbst überlebt hat?
Nach zwei Jahrzehnten bleibt GNTM eines der bekanntesten TV-Formate Deutschlands. Doch während sich die Welt verändert hat, wirkt die Show wie eine immer gleich ablaufende Kopie ihrer selbst. Kritische Stimmen mehren sich, die fordern: „Erlöst uns“ – von dieser künstlichen Welt, die vorgibt, echt zu sein.
Ob Daniela und Moritz tatsächlich ihren Platz in der Modewelt finden, wird sich zeigen. Doch eines ist jetzt schon klar: GNTM bleibt ein Spiegel – allerdings einer, in dem sich eine Gesellschaft erkennen muss, die Authentizität längst mit Inszenierung verwechselt hat.
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