David Brophy, der neue Chefdirigent des WDR Funkhausorchesters, hat im Oktober 2024 mit einem beeindruckenden Debüt in Köln auf sich aufmerksam gemacht. Mit „Mise Éire“ – der berühmten Filmmusik von Seán Ó Riada – präsentierte er sich als stolzer Nord-Dubliner und visionärer Musiker. Das WDR Funkhausorchester, eines der führenden Ensembles Deutschlands, ist nun seine neue musikalische Heimat.
Für den 52-jährigen Brophy ist diese Position ein Höhepunkt seiner Karriere. „Es fühlt sich schnell wie ein Zuhause an, und obwohl wir noch in der Anfangsphase sind, passt alles perfekt“, sagt er. Das Orchester, bekannt für seine Vielseitigkeit, bietet Brophy die ideale Plattform, um seine musikalische Philosophie umzusetzen.
Das WDR Funkhausorchester bewegt sich mühelos zwischen klassischer und moderner Musik – eine Tradition, die Brophy seit seiner Zeit beim RTÉ Concert Orchestra in Irland prägt. Er folgt damit dem Motto von Duke Ellington: „Es gibt nur zwei Arten von Musik: gute und die andere.“ Diese Offenheit spiegelt sich in seinen Programmen wider, die von Mendelssohn bis ABBA reichen.
Bei einem Treffen mit den Orchestermitgliedern in einem Kölner Irish Pub wurde Brophy scherzhaft als „eierlegende Wollmilchsau“ bezeichnet – ein Multitalent, das alle Musikrichtungen beherrscht. Seine Konzerte, darunter eine Mischung aus „Danny Boy“, Mendelssohns „Hebriden-Ouvertüre“ und ABBAs „Waterloo“, begeistern das Publikum und überraschen sogar die Kritiker.
Brophys Werdegang ist ebenso vielseitig wie seine Musik. Aufgewachsen in Santry, Dublin, entdeckte er früh seine Leidenschaft für die Musik. Nach seinem Studium in Dublin, England und den Niederlanden begann er seine Karriere als Assistent beim RTÉ National Symphony Orchestra. Bekannt wurde er in Irland durch die Gründung des „High Hopes Choir“, einem Chor für Menschen, die von Obdachlosigkeit betroffen sind.
Trotz seiner internationalen Erfolge sieht sich Brophy immer noch als „Heimvogel“ und schätzt die Verbundenheit zu Irland. In Köln genießt er die intensive Probenarbeit, die ihm Zeit gibt, den Klang des Orchesters zu formen. „Ich möchte, dass das Orchester in den Proben bei 90 Prozent ist und im Konzert auf 100 Prozent kommt“, erklärt er.
Brophy steht für eine inklusive Haltung in der Musik. „Elitismus ist in Ordnung, wenn es darum geht, den besten Piloten oder Chirurgen zu haben, aber ich bin gegen ausschließenden Elitismus“, sagt er. Er kritisiert die zunehmende soziale Ungleichheit in Irland und die mangelnde staatliche Förderung von Kultur und Kunst.
„Irland ist weder in Boston noch in Berlin, es ist nirgendwo“, sagt Brophy. Er fordert mehr Investitionen in die Kultur, um die Identität des Landes zu bewahren. „Wir berauben uns selbst der Dinge, die uns einzigartig machen und gut für unsere mentale Gesundheit sind“, betont er.
David Brophy und das WDR Funkhausorchester stehen für eine musikalische Reise ohne Grenzen – eine Vision, die das Publikum in Köln und darüber hinaus begeistert.
